Nächstes Treffen von Attac Rupertiwinkel in Kirchstein

Das nächste Treffen von Attac Rupertiwinkel findet am Sonntag, 5. Mai 2013, um 19.30 Uhr in Kirchstein, Alte Schule, statt. Herzliche Einladung!

Petition für die Erhaltung der Saatgutvielfalt:

Klicken Sie hier, um auf der Plattform openpetition mitzuzeichnen.

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Voller Saal und engagierte Debatte bei Attac Rupertiwinkel – Bürgermeister Birner stellt Kirchanschöringer Pilotprojekt vor

Kirchstein – Am Sonntag, 21. April 2013, fand in der Alten Schule, Kirchstein, der Diskussionsabend zum Pilotprojekt der Gemeinde Kirchanschöring statt. Es herrschte reger Andrang seitens der Bürger und Bauern. Attac Rupertiwinkel hatte eingeladen und wollte von Bürgermeister Hans-Jörg Birner mehr über sein Vorhaben wissen, auch wie es mit dem Schutz des Waginger Sees weitergeht.

Attac-Sprecherin Agnes Thanbichler übernahm die Begrüßung. Sie freue sich über die Chance einer Modellregion. Thanbichler wies auf die Aktivitäten der Gruppe für den Waginger See hin, die vor über zwei Jahren begannen. Die Moderation übernahm darauf Ulrich Kühn aus Waging.

Agnes Thanbichler bedankte sich bei Bürgermeister Birner

Agnes Thanbichler bedankte sich mit einem regionalen Geschenkkörberl bei Bürgermeister Birner – Bild: Alois Albrecht

Inspiration durch Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Zur Einstimmung wurde ein Interview mit Karl-Ludwig Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten angeschaut. Bei einer Klausursitzung auf Schweisfurths Gutshof in Glonn bei Ebersberg hatte sich der Kirchanschöringer Gemeinderat Inspiration geholt. Es sei eine ungeheure Aufbruchsstimmung zu spüren gewesen, so Birner.

Schweisfurth war Eigentümer der Herta Wurst, mit einer riesigen, automatisierten Schlacht- und Fleischfabrik. Der Multimillionär hatte irgendwann „die Schnauze voll“, verkaufte seine Fabrik und gründete die Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Dort beschäftigt er etwa 200 Mitarbeiter und beliefert den Großraum München mit Lebensmitteln. Beispielsweise echtes Steinofenbrot, Milchprodukte und Schweinefleisch. Die Landwerkstätten werben mit dem Slogan „Hand-gemachte Lebensmittel in ökologischer Qualität“.

In dem Interview erzählt Schweisfurth davon, wie Kinder bei Herrmannsdorfer an die Wichtigkeit eines gesunden Bodens für die Lebensmittelproduktion herangeführt werden. Die Landwerkstätten sind für Besucher offen, das ist ein wichtiger Teil ihres Konzepts.

Bürgermeister Birner sieht in dem Beispiel ein Vorbild für das Projekt in Kirchanschöring, auch wenn man es nicht eins zu eins umsetzen könne. Es herrsche eine andere Ausgangslage, die Idee sei dennoch wichtig.

„Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring“

Das Thema des Nachhaltigkeitskonzepts unter dem Titel „Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring“ kam mit der Diskussion um den Waginger See auf. Birner betonte, dass das vom bayerischen Landwirtschaftsministerium geförderte Projekt ergebnisoffen sei und keine fertigen Vorgaben gemacht werden. Bestehende Ideen, welche zur Diskussion gestellt werden sollen, sind beispielsweise eine Regionalmarkthalle, ein Stipendium für angehende Meister bei Eröffnung eines lokalen Betriebs oder der Erhalt alter Gebäude. Kirchanschöring könne dabei an bestehende Erfolge anknüpfen. Dazu gehörten die gentechnikfreie Gemeinde und die ausgezeichneten Projekte der Altenpflege und Dorferneuerung.

Bürgermeister Birner sieht klare Defizite in der Gemeinde bei der Nahversorgung durch lokale Handwerksbetriebe und nennt stellvertretend Bäcker und Metzger. Ein wichtiges Ziel sei eine breitere Produktpallette in Landwirtschaft und Handwerk. Mit Nischenprodukten sollten die Betriebe sich einen Markt erkämpfen. Zugleich sei es wünschenswert, dass Großabnehmer, gemeint sind etwa Gasthäuser, nach deren Bedürfnissen beliefert werden können.

Alle Angebote seien freiwillig und man werde wenig von außen gesteuert, so Birner. Er wirbt um eine möglichst breite Beteiligung. Interessierte konnten sich in Listen eintragen zur Kontaktaufnahme.

Landwirtschaft und Waginger See

In der Diskussion kamen die Schwerpunktthemen Landwirtschaft und Waginger See zur Sprache. Eine Idee des Nachhaltigkeitskonzepts ist die Umstellung der Landwirtschaft auf Bio. Dazu betonte Birner, dass alle Bauern eingeladen seien, beim Projekt der Gemeinde mitzumachen. Keiner müsse sich bereit erklären, Biobauer zu werden, um sich beteiligen zu dürfen. Schließlich gebe es auch für konventionelle Bauern viel Spielraum für eine Verbesserung der Wirtschaftsweise. Birner will keine Einteilung in „guter Bauer, böser Bauer“.

Franz Obermeyer aus Tengling verband in seinem Diskussionsbeitrag das Anliegen des Seenschutzes mit der Umstellung auf Bio. Obermeyer sieht eine große Chance in einem Wechsel der Firmenpolitik von Bergader in Waging. Sein Credo: „Der See ist ohne Bergader nicht zu retten.“ Obermeyer wünscht sich, dass Bergader den Bavaria Blu als Biokäse herstellt. Das Einzugsgebiet mit den Bauern am Waginger See würde reichen. Die Anwesenden sollten in persönlichen Schreiben an Bergader dazu aufrufen.

Ein Besucher aus Tittmoning äußerte, die Problematik am Waginger See sei Ergebnis der Vorgaben der „guten fachlicher Praxis“. Jetzt bestehe die Chance zu einem Systemwechsel.

Von Josef Heringer, Laufen, kam die Anregung, die Bauern in Kirchanschöring, welche Moorflächen bewirtschaften, als „Klimawirte“ zu fördern. Die Niedermoore seien ein wirkungsvoller CO2-Speicher. Heringer und andere Redner machten darauf aufmerksam, dass eine übergemeindliche Zusammenarbeit gefragt sei. Bürgermeister Birner antwortete darauf, dass zuerst die Gemeinde Kirchanschöring beginnen soll, um sich dann regional zu verbreitern, damit man sich nicht verzettelt. Eine „Konkurrenz“ zu anderen Gemeinden sei nicht beabsichtigt.

Neben der Entwicklung der Wirtschaftsweise kam immer wieder die Wichtigkeit einer Verbesserung der sozialen Verhältnisse zur Sprache. Sei es durch eine Bildung der Kinder hin zu einer Wertschätzung menschlich würdevoller Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion oder die Wiederbelebung von Nachbarschaftsverhältnissen auf dem Dorf.

Bürgermeister Birner wurde immer wieder gelobt für seine Vorarbeit am Pilotprojekt der Gemeinde. Kritik kam mitunter in Bezug auf das „Seenbündnis“ für den Waginger See zur Sprache. Birner mahnte hier zur Geduld und versprach, weiter an dem Thema dran zu bleiben.

Für die Erstellung eines Konzepts mit Bürgerbeteiligung wurde ein Eggenfeldener Unternehmen beauftragt. Bei der Form der Beteiligung verwies Birner auf frühere Verfahren in der Gemeinde. Er ist optimistisch, dass die Umsetzungsphase bald erreicht werden kann. Das gesamte Projekt sei mittel- bis langfristig angelegt. Birner sprach von etwa 10 bis 15 Jahren.

Abschließend überreichte Agnes Thanbichler Bürgermeister Birner ein Geschenkkörberl mit regionalen und fair gehandelten Produkten. Sie verwies darauf, dass es schon verschiedene Vereine und  Initiativen wie die Solidargemeinschaft Berchtesgadener Land, die Direktvermarkter und das Agrarbündnis Berchtesgadener Land / Traunstein gebe, die sich für eine nachhaltige und regionale Entwicklung einsetzen. Längerfristig gelte es, sich gut zu vernetzen, um gemeinsam am selben Vorhaben zu arbeiten. Thanbichler kündigte noch das nächste Treffen von Attac Rupertiwinkel an, am Sonntag, 5. Mai 2013, 19.30 Uhr in Kirchstein. Das Interesse der Besucher zeigte sich auch daran, dass viele noch die Gelegenheit nutzten zu einem Gespräch mit Birner oder untereinander, bis sich spät abends der Saal leerte.

Diskussion bei attac-Rupertiwinkel mit Bürgermeister Birner: Vision zukünftigen Lebens und Wirtschaftens in Kirchanschöring

Waginger See

Waginger See

Kirchanschöring / Kirchstein. Die Gruppe attac-Rupertiwinkel lädt am Sonntag 21.4.13 um 19.30 Uhr in die Alte Schule in Kirchstein zu einer Diskussion mit Bürgermeister Birner aus Kirchanschöring ein. Thema des Abends ist “Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring”. Ein langweiliges Thema wird sich mancher denken, eher was für Heimatkundler. Weit gefehlt! Dahinter verbirgt sich eine Vision, wie man in unserer globalisierten Welt mit allen Auswüchsen wie Lebensmittelskandal, industrielle Landwirtschaft, Bodenverdichtung, Gewässerverunreinigung (Phosphateintrag in den Waginger See) begegnen kann.

Seesanierung ist ein gesamtgesellschaftliches Thema

“Bei dem Thema, das im ersten Ansatz aus der Diskussion um den Waginger See entstanden ist, hat sich sehr schnell gezeigt, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Anliegen und Aufgabe in der ganzen Gemeinde handelt. Den Schwerpunkt bildet dabei jedoch ohne Zweifel die Landwirtschaft, die regionale Kreisläufe und damit verbunden das Handwerk – vor allem im Lebensmittelbereich. Es handelt sich um ein ungemein spannendes, extrem wichtiges, aber darum auch umfangreiches Thema.”

Bürgermeister Hans-Jörg Birner hat nicht locker gelassen, diverse Entscheidungsträger, Minister, Landtagsabgeordnete und das Landwirtschaftsamt über die Notwendigkeit einer Umstrukturierung zu überzeugen mit dem Ergebnis, dass man von höherer Stelle gewillt ist, die Gemeinde zu unterstützen, ja in Kirchanschöring sogar ein Modell für andere Gemeinden sehen will.

Grundlage dafür bildet der § 153 der Bayerischen Verfassung:

“Die selbständigen Kleinbetriebe und Mittelstandsbetriebe in Landwirt­schaft, Handwerk, Handel, Gewerbe und Industrie sind in der Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen. Sie sind in ihren Bestrebungen, ihre wirtschaftliche Freiheit und Unabhängigkeit sowie ihre Entwicklung durch genossenschaftliche Selbst­hilfe zu sichern, vom Staat zu unterstützen. Der Aufstieg tüchtiger Kräfte aus nichtselbständiger Arbeit zu selbständigen Existenzen ist zu fördern.”

Suche nach einem eigenen Weg 

In dem Konzept heißt es: “Für diese wirklich große Aufgabe haben wir die Chance der Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung und vieler Experten, die wir uns aussuchen und deren Hilfe wir uns bedienen können. Denn wir, bzw. die Bauern und die Handwerker, wissen am besten welche Informationen am wichtigsten sind. D.h. wir werden sehr wenig von außen gesteuert werden, sondern wir bestimmen weitestgehend selbst unseren Weg. Wir werden begleitet vom Ministerium und dem Amt für Ländliche Entwicklung in München. Man erhofft sich dort natürlich, dass wir einen Weg finden, diese Ideen umzusetzen und damit den Weg zu bereiten für andere Gemeinden, die diese Ideen aufgreifen wollen.”